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Eine '''Werkstatt für behinderte Menschen''' (offizielle Abkürzung '''WfbM''', früher auch ?beschützende Werkstatt?, heute auch ?Förderwerkstatt?) ist eine Einrichtung zur ?Eingliederung? bzw. '' (''Europäische Vereinigung der Dienstleister für Menschen mit Behinderungen'').

Statistik

2012 betrug die Anzahl der ''WfbM'' deutschlandweit 682 mit 2750 Standorten, diese beschäftigen 310.000 Personen, 260.000 im Arbeitsbereich, 30.000 im Berufsbildungsbereich, 17.000 im Förderbereich.

2017 waren 275.110 Menschen mit Behinderung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Das sind je nach Bundesland 0,3 bis 0,8 Prozent aller Personen zwischen 18 und 65 Jahren. Die Kosten lagen bei 16.592 Euro pro Person und Jahr, je nach Bundesland zwischen 12.000 und 20.000 Euro pro Person und Jahr. Das Arbeitsförderungsgeld in Höhe von 52 Euro pro Person und Monat ist darin enthalten, ebenso Fahrtkosten von durchschnittlich 150 Euro pro Person und Monat. Etwa 50 % leben im eigenen Familienverbund, 18 % in der eigenen Wohnung mit ambulanter Betreuung, 32 % im stationär betreuten Wohnen.

Sprachgebrauch

Die Bezeichnung ?Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)? ist seit dem 1. Juli 2001 durch das von allen Beteiligten als ?veraltet? bewertet würde.

Der umgangssprachliche Begriff ''Behindertenwerkstatt'' gilt als ?politisch unkorrekt?, da durch ihn die Behinderung als (einziges) Wesensmerkmal der von ihr Betroffenen erscheint.

Aufnahmevoraussetzungen zur Beschäftigung

In eine ''Werkstatt für behinderte Menschen'' sollen zum Zweck der beruflichen Rehabilitation bzw. als Eingliederungshilfe Menschen als Beschäftigte aufgenommen werden, die ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen oder Besonderheiten wegen ''nicht'', ''noch nicht'' oder ''noch nicht wieder'' auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbstätig werden können; sie haben ein Recht auf einen Werkstattplatz.

Abgrenzung von Erwerbsfähigen

Aufnahmevoraussetzung ist die Bescheinigung, dass bei denjenigen, die in einer ''WfbM'' beschäftigt werden sollen, eine Erwerbsminderung bzw. eine vorliegt, so dass sie weniger als drei Stunden täglich am allgemeinen Arbeitsmarkt teilnehmen können. Die Hoffnung, dass dieser Zustand (anders, als es der Begriff ?Behinderung? nahelegt), auf einer vorübergehenden Beeinträchtigung beruht, kommt darin zum Ausdruck, dass alle Beschäftigten in einer ''WfbM'' als ?Rehabilitanden? gelten. Deshalb sind eine Anerkennung als Schwerbehinderter und das Vorliegen eines Schwerbehindertenausweises keine Aufnahmekriterien der Werkstätten.

Es gibt unterschiedliche Interpretationen des Phänomens, dass in einigen Werkstätten vermehrt auch Menschen mit einer Lernbehinderung oder ohne das Merkmal einer geistigen Behinderung aufgenommen werden. Die überörtlichen Träger der Sozialhilfe gehen davon aus, dass zurzeit ca. fünf Prozent aller Werkstattbeschäftigten fehlplatziert seien und eigentlich auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt sein könnten. Der Behindertenverband ''Bundesverband evangelische Behindertenhilfe'' (BeB) kritisiert diese Einschätzung allerdings als ?politisch motiviert gegriffene Zahl?. Die BAG WfbM weist darauf hin, dass nur im besten Fall ?Einzelne? in WfbM ?eine so hohe Leistungsfähigkeit (wieder)erlangen, dass sie den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarkts nachkommen können.?

Verwehrung des Arbeitnehmerstatus

Die Verwehrung des Arbeitnehmerstatus stellt nach Ansicht einiger Kritiker einen Verstoß gegen Europarecht dar. Gemäß der sei als Arbeitnehmer ?nach objektiven Kriterien die Person anzusehen, die eine tatsächliche und echte Tätigkeit ausübt, indem sie während einer bestimmten Zeit für einen anderen nach dessen Weisungen Leistungen erbringt und dafür als Gegenleistung eine Vergütung erhält.? Alle diese Kriterien träfen auf Beschäftigte in einer ''WfbM'' zu.

Zukunft der Institution WfbM

Ein zentrales Argument von Verteidigern des Fortbestands der Institution WfbM besteht darin, die Behauptung zurückzuweisen, die bloße Existenz einer Sondereinrichtung ausschließlich für ?voll erwerbsgeminderte? Menschen stelle einen Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention dar. Vielmehr ermöglichten Werkstätten für behinderte Menschen erst eine Teilhabe vieler Menschen am Arbeitsleben und ihre Integration in das Arbeitsleben, die vor dem Inkrafttreten des Schwerbehindertengesetzes 1974 keinerlei Anspruch auf eine sinnvolle Beschäftigung gehabt hätten.

Die ''Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM'' bestreitet, dass es sich bei der Tätigkeit der in ''WfbM'' Beschäftigten um ?Erwerbstätigkeit? handele, da auf die Beschäftigten kein Leistungsdruck ausgeübt werde. Die Arbeitsgemeinschaft betont, dass es deshalb nicht möglich sei, an WfbM-Beschäftigte den gesetzlichen Mindestlohn auszuzahlen. Eine WfbM habe ?weniger den Leistungsanspruch als mehr die Schutzpflicht gegenüber unseren Werkstattbeschäftigten im Blick. Werkstattbeschäftigte sind keine Arbeitnehmer, sondern Rehabilitanden.? Von daher müsse geprüft werden, ob es sinnvoll sei, wenn möglichst viele heute in einer WfbM Beschäftigte dem auf dem Ersten Arbeitsmarkt herrschenden Leistungsdruck ausgesetzt werden sollen.

Die ?Aktion Mensch? stellte 2011 fest, dass es einen Widerspruch zwischen der Existenz von ?Einrichtungen, die einst speziell für die Gruppe der Menschen mit Behinderung geschaffen wurden,? einerseits und dem ?wünschenswerte[n] Ziel des gleichberechtigten Miteinanders von Menschen mit und ohne Handicap? andererseits gebe. Die Antwort auf die Frage, ob sich dieser Widerspruch auflösen lasse, ist für die ?Aktion Mensch? offen.

Nach Ansicht des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe (BeB) müsse man berücksichtigen, dass Werkstätten für behinderte Menschen in vielen anderen Ländern praktisch unbekannt seien. ?Die teilweise berechtigte, teilweise auch unberechtigte öffentliche Kritik kann aber in der Konsequenz nicht bedeuten, dass alle Werkstätten von heute auf morgen abzuschaffen sind. Aus Sicht des BeB wird die WfbM auch in der Zukunft für viele Menschen mit Behinderung ein angemessener und notwendiger Ort sein, um sinnvoll tätig zu sein und durch eigene Arbeit zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beizutragen. Die Leistungsanforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes und seine geringe Aufnahmefähigkeit, der Bedarf an anpassungsfähigen Arbeitskräften und die Abnahme von Hilfstätigkeiten erschweren und verhindern, dass alle Menschen mit Behinderung am allgemeinen Arbeitsleben teilhaben können.?

Zur Situation in Deutschland meint der Österreicher Franz Wolfmayr, Präsident der ''European Association of Service Providers for Persons with Disabilities (EASPD)'': ?Mein Eindruck ist, dass deutsche Organisationen noch dem Trugschluss unterliegen, sie könnten selbst dauerhaft entscheiden, wohin der Weg gehen soll und wie die UN-Konvention umgesetzt wird. Das wird auf Dauer so nicht möglich sein. Aber im Moment sind die Einrichtungen noch sehr stark und der Wandel vollzieht sich langsam. Wesentlicher Motor werden bei Ihnen wie auch bei uns die Forderungen von Eltern und Angehörigen sein sowie der Wunsch der Menschen mit Behinderung selbst. Aus österreichischer Sicht muss ich aber auch sagen, die deutschen Standards sind sehr hoch, und es wäre nicht ratsam, sie aufzugeben.?